Rotkleegras - Kopfbild

Landwirtetreffen in Grub

Das Herz des Netzwerkes sind die Landwirte



Im Rahmen des Demonstrationsnetzwerkes „Demonet-KleeLuzPlus“ trafen sich die bayerischen Landwirte am Standort der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub. Zwölf Betriebe sind beteiligt. Es gab einen ein regen Austausch zu verschiedensten Themen rund um Klee und Luzerne. Vor Allem die Qualität von Silagen und die Heutrocknung standen im Fokus.

Auf die Qualität kommt es an

„Sie können gern Alle mal riechen“ beherzt drückt Barbara Misthilger von der Arbeitsgruppe für Grobfutter-/ Substratkonservierung und Futterhygiene den um den Silostock versammelten Landwirten das Fläschchen mit der Buttersäure in die Hand. An den Gesichtern wird klar, dass eine Silage so nicht riechen sollte.

Die Erzeugung eines guten, hygienisch einwandfreien Grundfutters ist die Basis für eine hohe Leistung der Tiere und ein wichtiger Einflussfaktor auf die Tiergesundheit. Dabei steht die Herstellung einer qualitativ hochwertigen und schmackhaften Silage im Vordergrund. So setzt die Silierung von Kleinkörnigen Leguminosen, wie Kleegras oder Luzerne(gras), eine besondere Kenntnis voraus. Um in der Silage einen optimalen Gärverlauf zu haben, müssen die Milchsäurebakterien im Siliergut „gefördert“ werden. Aus Sicht des Landwirts sollte daher auf folgende Punkte geachtet werden: Das Ausgangsmaterial sollte auf einen Trockenmasse-Gehalt von 30 bis 40 Prozent Trockenmasse angewelkt werden, der Schmutzeintrag minimiert werden und eine zügige sorgfältige Siloabdeckung erfolgen.

Die Futterqualität spielt für alle Viehhalter eine übergeordnete Rolle. Deshalb richtet sich Jule Schättler mit den Worten „nur gute Futterqualität bringt gute Leistung“ an die Landwirte. Sie ist im Projekt als Fachkoordinatorin zentrale Ansprechpartnerin für Futterwirtschaft, Tier und Verwertung.

Ein Blick hinter die Kulissen

Auch Peter Oberhofer weiß wie wichtig eine gute Futterqualität ist. „Im letzten Jahr habe ich die Eiweißversorgung meiner Milchkühe allein durch Klee und Luzerne sichergestellt“ betont er beim Austausch mit den anderen Landwirten. Er bewirtschaftet im niederbayerischen Bruckberg zusammen mit seinen Eltern und seiner Partnerin Beate einen ökologischen Milchviehbetrieb mit über 90 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Im Januar analysierte das LKV Futteruntersuchungslabor in Grub zwei Proben von seinem Betrieb. Beide Proben zeigten eine hervorragende Qualität.

Um den Landwirten zu zeigen wie es nach Versand der eigenen Futterproben weitergeht, nahmen sich Dr. Manfred Schuster vom Zentrallabor der LfL in Grub und Ulrike Schachner vom LKV die Zeit für eine Führung. Der NIR-Sensor zur Untersuchung des eingereichten Futtermaterials wurde von Ulrike Schachner am Live-Beispiel gezeigt. Gibt es unklare Ergebnisse bei dieser Analyse gehen die Proben zu Dr. Schuster in die nasschemische Analyse. Exakte Analyseergebnisse stehen für das Labor an erster Stelle.

Vielfältige Demonstrationsbetriebe

Nicht nur Peter Oberhofer nutzt Klee und Luzerne verstärkt in seiner Fütterung. Bei den Milchkühen von Tobias Volkert stehen reine Luzernesilage und auch Strukturluzerne mit auf dem Speiseplan. „Auch auf meinen sandigen Böden ist Luzerne ein Garant um die Tiere ernähren zu können. Luzerne ist einfach ein geiles Zeug.“ Bei dem konventionellen Landwirt aus Mittelfranken werden auf über zehn Hektar Luzerne und Luzernegrasmischungen angebaut. Bei beiden Betrieben erfolgte im letzten Jahr eine Herbstansaat mit verschiedenen an die Standorte angepassten Luzerne- und Kleegrasmischungen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sehen beide Demoflächen vielversprechend aus. Die Demonstrationsflächen der restlichen zehn Betriebe werden in diesem Frühjahr angelegt.

Neben der Nutzung in der Milchviehfütterung gibt es auch reine Ackerbaubetriebe unter den Beteiligten. Luzerne und Klee werden bei dem Betrieb von Christian und Matthias Hebig aus Karsbach-Weyersfeld für den Betrieb der Biogasanlage genutzt. Die Silos befinden sich direkt neben der 770-kW-Anlage.
Ludwig Thiem vom Jugendhaus Burg Feuerstein in Ebermannstadt nutzt das angebaute Klee-Luzerne-Gemisch für die Aufzucht von Jungvieh und die Pferdefütterung. Das Jugendhaus bietet vielfältige landwirtschaftliche Kulturen sowie einen eigenen Wald. Ludwig Thiem liegt vor Allem die Vermittlung von Wissen über ökologische Zusammenhänge am Herzen.

Ganz neue Richtungen einzuschlagen, was die Nutzung seiner Luzernebestände betrifft, ist Michael Sinning zusammen mit seinem Vater Josef bereit. Bei dem konventionellen Betrieb aus Finningen wird das gewonnene Futter entweder in der eigenen Bullenmast oder bei einem benachbarten Pferdestall genutzt. Alternative Nutzungsmöglichkeiten erhofft sich der junge Landwirt durch das Projekt. Stefan Thurner, vom Institut für Landtechnik und Tierhaltung, gab passend hierzu einen Exkurs zum Thema Heubelüftungsverfahren.

Heubelüftung – der aktuelle Stand

Moderne Heubelüftungsanlage mit HeukranZoombild vorhanden

Quelle: Dr. Juliana Macuhova

„Derzeit erleben wir eine gewisse Renaissance der Heubelüftung“ so richtet sich Stefan Thurner an die anwesenden Landwirte. Gründe sind insbesondere gute Vermarktungsmöglichkeiten für Heumilch, geänderte Rahmenbedingungen beim Silobau sowie die Verfügbarkeit von neuen schlagkräftigen Verfahren zur Heubelüftung.

Grünland und Feldfutterbauaufwüchse werden in Boxenbelüftungen von einem Trockenmasse- (TM-) Gehalt von 60 bis 70 Prozent bei der Ernte innerhalb von 40 bis 60 Stunden auf einen lagerfähigen TM-Gehalt von 86 Prozent getrocknet. Die Herzstücke der dafür verwendeten Technik sind der Radialventilator und der Heukran. Zur Luftanwärmung wird tagsüber auf solare Energie, die über eine Unterdachabsaugung gewonnen wird gesetzt. Nachts wird häufig Abwärme zum Beispiel aus einem biogasbetriebenen Blockheizkraftwerk oder einer Hackschnitzelheizung am Betrieb, teils in Kombination mit Wärmerückgewinnungssystemen verwendet. Sehr häufig werden heute auch energieeffiziente Luftentfeuchter für die Heutrocknung während der Nacht oder Schlechtwetterperioden eingesetzt.Bei allen Verfahren bedarf es einer ausgeklügelten Steuerung mittels verschiedener Sensoren und Aktoren in der Anlage um optimale Trocknungsergebnisse zu erzielen und möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Dabei ist die Technik so ausgelegt, dass der erste Schnitt in drei Chargen getrocknet werden kann.

Die Investitionskosten in eine Heubelüftungsanlage liegen aktuell bei ca. 130 Euro pro Kubikmeter Lagerraum und der Energieverbrauch bei energieeffizienten Techniken beträgt im Schnitt über alle Chargen im Jahr circa 0,5 Kilowattstunden pro Kilogramm Wasserentzug. Für die Heuproduktion vom Mähen bis zum lagerfähigen Belüftungsheu ist in etwa der doppelte Arbeitszeitaufwand im Vergleich zur Silageproduktion anzusetzen. Trotz dieser auf den ersten Blick hohen Kosten gibt es einige Vorteile der Heubelüftung, die viele Landwirte für das Verfahren begeistern. Dazu gehören die sehr gute Futterqualität mit hohen Gehalten an pansenstabilem Eiweiß, die höhere Grundfutteraufnahme der Tiere, die Reduzierung des Ernterisikos und der Bröckelverluste (insbesondere im Feldfutterbau) im Vergleich zur Bodenheuproduktion und die über den ganzen Winter gleichbleibende Grundfutterration die idealerweise mit dem Heukran ohne weitere Technik direkt aus den Heuboxen auf den Futtertisch vorgelegt werden kann.
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