Rotkleegras - Kopfbild

Aktuelles aus der Forschung

27.10.2020
Potenziale von Klee und Luzerne in der Fütterung bei Schwein und Geflügel

Schweine mit Kleegras ©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Schweine mit Kleegras.
Quelle: www.oekolandbau.de / Copyright BLE / Dominic Menzler

Kann der Eiweißbedarf gedeckt werden?
Um die Potenziale in der alternativen Verwertung von Klee, Luzerne und Co. auszuschöpfen und ihren Einsatz in der Praxis zu etablieren, gibt es noch viel zu erforschen. Das wurde auch an den Beiträgen des 8. Ökolandbau-Tages der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft deutlich.
Im Projekt GRUENLEGUM sind Forscher der Frage nachgegangen, wie Klee und Luzerne in der Fütterung bei Schwein und Geflügel eingesetzt werden können, sodass der Eiweißbedarf in der Ration zumindest zum Teil daraus gedeckt werden kann. Es wurden Luzernetrockenblatt, Luzerne-Ganzpflanzensilage sowie -Blattsilage und Rotklee-Ganzpflanzensilagen untersucht.
Testsieger beim Schwein: Silagen

In den Fütterungsversuchen stellten sich für Schweine hohe Rohprotein- und Aminosäurengehalte bei moderaten Rohfasergehalten der untersuchten Produkte dar. Die Lysin-Gehalte waren im Vergleich zu Körnerleguminosen hoch.

Luzerne-Blattsilagen enthielten die höchsten Gehalte an Rohprotein bei gleichzeitig geringsten Rohfasergehalten, wohingegen Luzernetrockenblatt die höchsten Rohfaser- und geringsten Rohproteingehalte aufwies. Die Ganzpflanzensilagen der beiden Futterleguminosen überraschten in den Versuchen positiv und lieferten höhere Gehalte an Rohprotein und einen geringeren Rohfaseranteil als Luzernetrockenblatt. Auch die Verdaulichkeit war bei allen geprüften Silagen besser als beim Luzerneblatt. Dafür verantwortlich sind wahrscheinlich bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe, sog. Saponine. Diese antinutritiven Inhaltsstoffe kommen vor allem in den Blättern der Luzerne vor und werden durch den Silierprozess zumindest zum Teil abgebaut.

Luzerne bei Geflügel begrenzt einsetzbar

Versuche mit Broilern und Legehennen, in denen Luzernetrockenblatt in pelletierten Alleinfuttermischungen eingesetzt wurde, zeigten bereits ab 15 % Luzerneblatt in der Ration einen dramatischen Rückgang in der Futteraufnahme mit sinkenden Tageszunahmen und abnehmender Legeleistung. Geflügel scheint also besonders sensitiv auf die Saponine zu reagieren.

Herkömmliches Grünmehl aus Luzerne besitzt aufgrund der Verwendung der ganzen Pflanze einen geringeren Gehalt an Saponinen, der Einsatz ist deswegen weniger bedenklich. Auch können durch die Silierung Saponine teils abgebaut werden, allerdings sind auch hier Grenzen gesetzt. Verschiedene Luzernesorten unterscheiden sich offenbar in ihrem Saponingehalt. Dazu besteht weiterer Forschungsbedarf.

Ein Einsatz von Futtermitteln auf Basis kleinkörniger Leguminosen in der Praxis ist noch selten. Meist werden Klee- oder Luzerne-Ganzpflanzensilagen verwendet und die Beschäftigung, Sättigung sowie die pH-Wert-Absenkung im Magen und Darm stehen im Vordergrund.

Silagen für Schwein und Geflügel sowie Grünmehlpellets aus der ganzen Pflanze sind schon jetzt Varianten, die lohnend zum Ausprobieren sind.
Nähere Informationen dazu im Praxismerkblatt des Projektes.

Beiträge im Tagungsband:

  • Messinger D, Weindl P, Weindl P, Pleger L, Bellof G (2020): Bestimmung der scheinbaren Verdaulichkeit der Rohnährstoffe von Luzerne- und Rotkleeprodukten in der ökologischen Schweinefütterung. 63-66.
  • Pleger L, Weindl P, Weindl P, Messinger D, Bellof G (2020): Einsatz von Luzernetrockenblatt in der ökologischen Legehennenfütterung. 87-89.

Den Tagungsband mit allen Beiträgen finden Sie unter folgendem Link kostenlos zum Download:

Text: Irene Jacob

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