Rotkleegras - Kopfbild

Kleespitzmäuschen

Protapion apricans

Kleespitzmäuschen. Quelle: Franz Xaver SchubigerZoombild vorhanden

Abb. 1: Kleespitzmäuschen an Rotkleeblüte.
Quelle: Franz Xaver Schubiger

Schadbild
Das Kleespitzmäuschen verursacht in zwei Entwicklungsstadien Schäden im Rotklee: Die Käfer verursachen an Blättern von Rotklee einen runden bis strichförmigen Lochfraß, der von den Blattadern begrenzt ist. Im Extremfall werden die Blätter bis auf die Blattadern kahlgefressen. Später fressen die Käfer auch in den Blütenköpfchen, jeweils in der Nähe der Blütenkelche. Je mehr Käfer auf dem Feld vorkommen, desto häufiger und intensiver sind die Fraßschäden.
Jeder weibliche Käfer legt im Juni bis zu 100 Eier in die noch grünen Köpfchen des Rotklees. Die daraus schlüpfenden Larven verursachen in der Saatgutproduktion den Hauptschaden durch ihre Fraßtätigkeit in den Blütenköpfchen. So zerstören sie die Samenanlagen, wobei jede Larve mehrere Samenanlagen schädigen kann.
Schädling
Die Käfer des Kleespitzmäuschens sind 2,2 bis 3 Millimeter groß. Ihr Körper ist schwarz glänzend, mit mehreren Fühlergliedern und die Schenkel sind gelb gefärbt. Der Kopf läuft in einen dünnen, leicht gebogenen Rüssel aus, der etwa so lang ist wie ein Drittel des Körpers. An der Spitze des Rüssels befinden sich winzige Mundwerkzeuge mit denen die Rüssler fressen. In der Mitte des Rüssels setzen die relativ kurzen Fühler an.
Die Larven haben eine Länge von 3 bis 3,5 Millimeter und sind gelblich-weiß mit braunem Kopf.
Die Käfer überwintern in der Regel auf den befallenen Feldern in Erdspalten unter abgestorbenen Pflanzenteilen oder in der Bodenstreu auf umliegenden Flächen. Ab Ende April fressen sie an den Kleeblättern und später in den Blütenköpfchen an einzelnen Blüten. Dort erfolgt im Juni und Juli auf vorwiegend noch grüne Köpfchen die Eiablage. Nach einigen Tagen schlüpft die Eilarve und ernährt sich zunächst von Pollen. Die Larve frisst sich nach unten und zerstört mehrere Blütenkelche und damit auch die Samenanlagen. Die Verpuppung erfolgt in den abgestorbenen Blüten, dort sind die Puppen als weiches, weißes Gebilde zu finden. Aus den Puppen schlüpft die neue Käfergeneration und sucht nach kurzem Fraß die Winterquartiere auf.
Das Auftreten des Kleespitzmäuschens kann zeitlich, regional und quantitativ sehr unterschiedlich sein. Vor allem in Gebieten in denen traditionell Rotklee vermehrt wird, hat es sich oft stark ausgebreitet, zum Beispiel in Oberösterreich.

Wirtskreis
Die Jungkäfer sind häufig wenig wählerisch bei der Auswahl ihrer Nahrungspflanzen. Sie können sich längere Zeit durch Fraß an verschiedenen Pflanzen am Leben erhalten. Für die Eiablage bevorzugen sie allerdings Rotklee.
Bekämpfung

Trockene und warme Witterung fördert das Auftreten der Kleespitzmäuschen. In der Regel hat der Käfer in Mitteleuropa nur eine Generation im Jahr. Bei besonders günstigen Witterungsbedingungen ist aber eine zweite Generation möglich. Die Lebensdauer der Käfer kann mehr als ein Jahr betragen.
Im konventionellen Anbau sind Mittel zur Anwendung in der Saatguterzeugung von Futterleguminosen gegen beißende Insekten zugelassen (https://apps2.bvl.bund.de/psm/jsp/). Als Schadschwelle werden 5 Tiere pro m² benannt.
In der biologischen Saatgutvermehrung kann mit verschiedenen Maßnahmen vorbeugend und regulierend eingegriffen werden:

  • Weite Fruchtfolge & lange Anbaupausen (7 Jahre)
  • Das Feld für die Gewinnung von Kleesamen sollte möglichst isoliert von anderen Kleeaufwüchsen angelegt werden.
  • Möglichst später erster Schnitt bei Blühbeginn (nachdem die meisten Käfer ihre Eier bereits abgelegt haben) mit Silagenutzung. Der Folgeaufwuchs wird dann von den Kleespitzmäuschen nicht mehr für die Eiablage genutzt. Achtung: daraus resultiert in der Saatgutproduktion auch ein später Erntetermin!
  • Anlage von Ablenkungsstreifen, die nach dem ersten Schnitt zur Blüte gelangen und die Käfer zur Eiablage animieren. Der Aufwuchs diese Flächen sollten auch siliert werden, um ein sicheres Absterben der Gelege zu garantieren.
  • Beweidung der Bestände im Herbst des Anlagejahres.
  • Einjährige Kulturführung bei bekanntem Auftreten.
Abb. 2: Fraßschäden des Kleespitzmäuschens an Rotklee.  Quelle: Irene Jacob

Abb. 2: Fraßschäden des Kleespitzmäuschens an Rotklee.
Quelle: Irene Jacob

Abb. 3: Larven des Kleespitzmäuschens in der Rotkleeblüte.  Quelle: Franz Xaver Schubiger

Abb. 3: Larven des Kleespitzmäuschens in der Rotkleeblüte.
Quelle: Franz Xaver Schubiger

Text: Ann-Kathrin Bessai

Weiterführende Literatur

  • Hoffmann G., Schmutterer H. (1999): Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. S. 529ff.
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